#Openreli – Woche 2: Was ist guter kompetenzorientierter Unterricht?

Bevor die zweite Woche verstreicht, versuche ich mich noch an einer kurzen Antwort zu meiner persönlichen Einstellung zu gutem Unterricht. Heute startete für mich das neue Semester und wie bestimmt alle Lehrenden wissen: die erste Woche nach der unterrichtsfreien Zeit ist (egal ob Schule, Hochschule oder andere Bildungseinrichtung) immer heftig. Sie anstrengend, schön, aufregend, altbekannt und doch neu….(Ergänzungen bitte in die Kommentare)

Die offizielle Aufgabe lautet:

Woran kann man deiner Meinung nach guten (kompetenzorientierten) Religionsunterricht erkennen?

Verkürzt: „Was ist guter kompetenzorientierter Religionsunterricht?“

Wann ist für mich als Lehrender (an einer deutschen Hochschule) mein Unterricht gut? Diese Frage stellt man sich, trotz aller Lehrevaluationen und Qualitätssicherungsverfahren, nicht oft und meistens auch nicht ehrlich genug. Eine Lehr-Lernsituation ist von so vielen Faktoren und Variablen bedingt, dass sich oftmals nicht im Voraus sagen lässt ob sie gut oder schlecht wird. Ob sie gelingt oder schief geht. Guter Unterricht macht aber immer den Lernenden zum Hauptanliegen, wenn man so will – zu einem seiner Gegenstände. Es geht um die Frage „wo will ich mit meinen Lernenden gemeinsam hin? Was wollen wir (gemeinsam) lernen?“ Tritt dann noch die Kompetenzorientierung hinzu, dann geht es um die Verknüpfung von Fachwissen und (Lern)Methoden und das Ganze unter den Bedingungen von maximaler Lernfreiheit. Als Lehrender bedeutet das vor allem eins: Kontrolle abgeben.

Wer schon einmal die Verantwortung für eine Lerngruppe hatte, der weiß, wie schwer das ist. Loslassen. Den Lernenden Freiraum geben. Sie laufen lassen. Und dabei muss man es vor allem aushalten können, dass sie (die Lernenden) sich vielleicht von dem was man selber weiß und oder interessant finden würde entfernen, Fehler machen oder auf Ideen kommen, die mir selbst nicht eingefallen sind. Freiraum für Lernende muss der Lehrende aushalten können, ein Punkt der in der Diskussion oft zu kurz kommt.

Zurück zu der Ausgangsfrage: Was ist guter Unterricht? (Huch, da war die Kompetenzorientierung aus der Fragestellung rausgerutscht) – Guter Unterricht spricht an, regt zum Nachdenken und Nachfühlen an, er bewegt. Diese Bewegung ist nicht unmittelbar sichtbar. Manchmal zielt man als Lehrender auf etwas und dieser Effekt tritt nicht sofort, sondern erst nach Jahren ein. War der Unterricht dann gut?

Meine Meinung: JA!! Guter Unterricht verlässt die Grenzen des Unterrichts, berührt den Lernenden, so dass „Unterricht“ nicht mehr eine Situation sondern eine zeitliche Begebenheit ist. Das teilnehmende Individuum ist nicht mehr nur TeilNEHMER, sondern bringt sich ein – wird zum TeilGEBER. Der Sprung vom Lernen zur Aneignung passiert und die Lerngruppe gewinnt an Dynamik. Ein Unterricht, der nicht dynamisch ist, der sich nicht im freien (frei heißt nicht grenzen- oder regellos!) Zusammenspiel zwischen Lehrenden, Lernenden und Unterrichtsgegenstand/gegenständen bewegen kann und will – der ist definitiv nicht gut.

Mit der kurzen Frage die wir (also das Initiatorenteam von Openreli) uns ausgedachte haben, kann man ganze Bücher füllen und dann ist immer noch nicht alles gesagt. Etwas was mir in Hinblick auf den eigenen Unterricht immer hilft ist: die Suche nach und Rückbesinnung auf die eigene Begeisterung. Ich habe mich für mein Studium und für meinen Beruf aus einer ganz bestimmten Überzeugung und Begeisterung entschieden. Das muss in jeder Lehr-Lernsituation irgendwo vorkommen und (hoffentlich) überspringen. Mein Unterricht ist für mich gut, wenn ich vermitteln kann, warum das gerade Behandelte (mir) wichtig ist und meine Teilnehmer sich selbst einbringen. Das ist mir ein zentrales Anliegen, darauf möchte ich hinaus. Ich möchte anregen selbst zu denken, mündig zu werden, sich Kompetenzen anzueignen und sich mit Dingen auseinanderzusetzen um etwas zu verändern, sich die Welt zu erschließen und eine aktive Rolle einzunehmen.

Zum Abschluss der Versuch die vorangehenden Wörter in einen Satz zu packen: Guter Unterricht bewegt, regt an und befähigt zur Bewegung – er macht den Bewegten zum Beweger.

Advertisements

3 Gedanken zu “#Openreli – Woche 2: Was ist guter kompetenzorientierter Unterricht?

  1. Hm… „er macht den Bewegten zum Beweger“ – der Satz lässt mich nicht los, jetzt auch wegen Aristoteles.
    Guter Unterricht erzeugt also bewegte Beweger, wobei die Ergebnisoffenheit kompetenzorientierten Unterrichts unterschiedliche Bewegungsformen und -richtungen zulässt.
    Schlechter Unterricht erzeugt (zumindest in GS, OS und SekI) auch Beweger, allerdings unbewegte Beweger, womit nicht nur eine idR chaosschaffende Bewegung erzeugt, sondern auch knapp an Aristoteles und Aquino vorbei ein kosmologischer Gottesbeweis empirisch bestätigt (Empirie kann niemals beweisen, allenfalls bestätigen) worden wäre…

  2. Pingback: Tag 14.12. Kompetenzorientierte Bewegungsmittel | ChGünthers Kursblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s